Das sind keine Linken!

Wie soll unsere Solidarität eine Waffe sein, wenn sie nur unseren eigenen Ideen und nicht der Bewegung gilt? Ein Plädoyer für Zusammenhalt, mehr Größe und gegen Kleinlichkeit.

„Das sind keine Linken!“ Das hören wir immer wieder. Auf der Straße, in Beratungen, in Plena und Zwiegesprächen. Die Gründe: die jeweiligen Personen sind zu angepasst, zu revolutionär, zu jung, zu alt, zu kopflastig, zu handfest – diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Kurzum: die jeweils genannten Menschen entsprechen nicht dem Bild eines „Linken“, wie sie der andere gerne hätte.
Na und?
Vielleicht gibt es ja Gründe, warum ihr ihr seid und die*der andere eben die*der andere.
Der Moment, in dem ihr euren Nebenmenschen aus persönlichen Befindlichkeit heraus den guten Willen, das Ziel, das „Linkssein“ absprecht, ist der Moment, in dem ihr dem Staat, den Behörden, der Repression die Tür öffnet. Es ist der Moment, in dem ihr die Augenhöhe verliert und das Gegenüber, die*den andere*n erniedrigt.
Das trifft immer nicht nur die anderen, sondern uns alle – und damit auch euch selbst.
Gerade heute, in einer Zeit, in der rechtskonservative Parteien erneut Mehrheiten in Bundes- und Landtagen, Kreis- und Stadträten erringen, in der Faschismus wieder salonfähig wird, sollten wir Einigkeit zeigen. Während Nazis, Rassist*innen, Antifeminist*innen, Antisemit*innen gekonnt kooperieren, zerlegen wir uns, nur um untereinander Recht zu behalten.
Seid doch mal groß!
Natürlich gibt es Konflikte, inhaltliche Gräben und Widersprüche. Die gab es auch schon immer, und daran sind leider schon viele linke Utopien gescheitert. Daher gilt es, diese Widersprüche auszuhalten, aufzuarbeiten und zu überwinden. Intern. Mit Respekt. Wo kommen wir denn hin, wenn auf Demonstrationen die Widersprüche mehr wiegen als das gemeinsame Ziel? Das Wort „Demonstration“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „deutlich zeigen“. Das tun wir. Leider zeigen wir nicht unsere Inhalte, unsere Zeichen gegen den Faschismus, unseren Beitrag zu Gleichberechtigung, Toleranz, Umweltschutz, Frieden und neuen Gesellschaftsformen. Wir zeigen stattdessen deutlich unsere Schwächen.
Dem Staatsschutz gefällt das
Wenn wir unsere Schwächen nach außen tragen, nehmen wir den Repressionsorganen in vorauseilendem Gehorsam die Arbeit ab. Die wissen genau, wen sie wann wie anquatschen können. Wo Gerüchte auf fruchtbaren Boden landen. Wo Genoss*innen so scharf darauf sind, den anderen eins auszuwischen, dass sie Verleumdungen dankbar aufgreifen und unhinterfragt reproduzieren.
Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Das haben wir alle schon erlebt, auf Demonstrationen, wenn die Repressionskräfte mit all ihrer Gewalt versuchen, eine solche Kette zu durchbrechen. Sobald sie gerissen ist, haben sie freies Spiel. Das gilt auch für die Bewegung. Daher gebraucht nicht eure Ellenbogen, um die Genoss*innen beiseite zu schubsen, sondern legt ihnen eine Hand in den Rücken, um sie zu stützen. Wenn ihr selbst strauchelt, wird eben dieser Nebenmensch euch die Hand reichen, um euch aufzuhelfen.
Daher ist die Rote Hilfe strömungsübergreifend. Wir helfen allen Menschen, die für eine linke und somit gerechtere Welt kämpfen und wegen ihres Einsatzes von massiver Repression vonseiten des Staates, aber auch faschistischer und reaktionärer Gewalten betroffen sind. Es ist nicht an uns, darüber zu richten, welcher Aktionsrahmen der Richtige ist.
Diskurse sind wichtig und notwendig
Sie sollten intern, aber auch auf breiterer gesellschaftlicher Basis diskutiert werden. Einige Genoss*innen kämpfen seit Jahrzehnten an der Basis, an Stammtischen, in Vereinen, sitzen in Gremien, leisten Aufbauarbeit. Anderen geht das nicht schnell genug, sie wollen ihrer Wut ob der Umstände Ausdruck verleihen, wollen die Welt, die sie als ungerecht empfinden, brennen sehen.
Also seid groß, Genoss*innen!
Verwickelt euch nicht in Befindlichkeitskämpfe.
Seid solidarisch mit euren Mitstreiter*innen und bedenkt, es handelt sich dabei um Menschen und Menschen machen Fehler. Fehler sind nicht der Feind, im Gegenteil – Fehler können Fortschritt bringen, wir sollten sie
begrüßen, aufarbeiten und aufpassen, dass sie sich nicht wiederholen.
Wir treten gemeinsam für eine neue und bessere Welt ein und betreten damit Neuland. Vorlagen können nicht eins zu eins kopiert werden, Kämpfe müssen an mehreren Fronten ausgetragen werden.

Unsere Hauptfeinde sind Repression und Faschismus. Und die bekämpfen wir am besten alle zusammen.
Unsere Waffe heißt Solidarität!

Daher: Solidarische Grüße
Eure Genoss*innen der Roten Hilfe in Chemnitz

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